Theorie und Praxis – 3 Buchstaben trennen sie

Praxisnähe

Modelle und Methoden für die Führung sind alle erst entstanden, nachdem sich das in der Praxis bewährt hatte, was in ihnen zusammengefasst wurde. Anders formuliert: Aus dem, was sich in der Praxis – also im Tun – besonders bewährt hat, sind erst Modelle und Methoden entstanden.

Bei Methoden für die Führung, den sogenannten Führungsinstrumenten, ist diese Tatsache weitestgehend unbekannt.

Das erinnert mich an meinen gut bestückten Werkzeugschrank. Diese Bezeichnung ist übrigens unpräzise, denn der Großteil darin ist kein Werk-Zeug, sondern ein Hab-Zeug, irgendwann gekauft – seit Jahren nicht benutzt.

Wahrscheinlich besteht die Hoffnung, dass mehr Führungsinstrumente automatisch die Führungsqualität steigern, auch wenn man nur einmal davon gehört und sie nie angewandt hat.

Um mit einer Schraube etwas zu befestigen, sind einige Fragen zu klären:

Was will ich befestigen?
Woran will ich es befestigen?
Wie ist das beschaffen, was ich befestigen will?
Zu welchem Zweck genau will ich es befestigen?
Welche Schraube nehme ich?
Womit kann ich sie hineindrehen?
Wo ist dieses Werkzeug?
Wie benutzt man es?

Genauso einfach oder schwierig ist es, ein Führungsinstrument zu nutzen:

Was will ich befestigen?  Was genau will ich erreichen?
Woran will ich es befestigen?  Bei/Mit wem will ich das erreichen?
Wie ist das beschaffen, was ich befestigen will?  In welchem Kontext/Rahmen, für welche Situationen will ich das erreichen?
Zu welchem Zweck genau will ich es befestigen?  Welches meiner Ziele wird dadurch unterstützt?
Welche Schraube nehme ich?  Welche innere Haltung ist für das Vorhaben optimal?
Womit kann ich sie hineindrehen?  Welches Führungsinstrument ist dafür geeignet?
Wo ist dieses Werkzeug?  Was weiß ich darüber?
Wie benutzt man es?  Wie setze ich es wirkungsvoll ein?

Die Begründung dafür, Führungsinstrumente nicht anzuwenden ist oft: “Das ist zu theoretisch“. Auch der sogenannte Buia-Effekt – „Bei uns ist alles anders“ – ist sehr beliebt. (Selbstverständlich sieht es in Ihrer Wohnung nicht so aus wie in jener anderer Personen. Dem Schraubenzieher ist das ziemlich egal, seine Leistung ist davon nicht abhängig.)

Diese drei Buchstaben machen den Unterschied

Die drei Buchstaben sind: I-C-H.
Ich entscheide, ich entscheide, ob ich meiner Entscheidung treu bleibe, ich beantworte die relevanten Fragen, ich handle, ich sammle Erfahrungen durch mein Handeln, ich lerne aus dem Handeln.

Oder ich mache dies alles nicht. Und wenn nicht ich, dann wird es niemand an meiner Stelle machen und, was als Werkzeug gedacht ist, wird Hab-Zeug.

Die Kriterien

Gute Führung orientiert sich an zwei Kriterien:
1. Wirkung. Führung ist auf Ziele der Organisation gerichtete soziale Einflussnahme, hier gilt daher, dass richtig  ist, was eine gute Wirkung hat.
2. Passung. Der eigene Führungsstil ist wirkungsvoll, wenn er
a. zu mir passt,
b. zu den beteiligten Personen passt,
c. zum Kontext passt.

Einen kleinen Unterschied zwischen einer Schraube und einem Menschen gibt es allerdings:
Die Schraube verhält sich immer gleich, während Menschen ihr Verhalten ändern können und auch ändern, abhängig von ihren aktuellen Bedürfnissen, Zielen und dem Kontext.

Daher gibt es einige „Meta-Führungsinstrumente, die alle erfolgreichen Führungspersönlichkeiten auszeichnen:
1. Sie mögen Menschen und sind interessiert an ihnen.
2. Sie sind gute Beobachter und orientieren sich nicht nur an ihren Eindrücken und Erfahrungen der Vergangenheit.
3. Sie steuern bei Fragen des Verhaltens und von Leistungen die Aufmerksamkeit auf das Erwünschte und nicht auf das in der Vergangenheit liegende Unerwünschte.
4. Sie treffen Vereinbarungen, machen Konsequenzen des Einhaltens wie des Nicht-Einhaltens frühzeitig transparent und verzichten auf Straf- und Unterwerfungs-Strategien.
5. Sie fragen sich regelmäßig, was ihre Beiträge zu der Situation sind, die sie erleben.

Ich wünsche Ihnen passende Werkzeuge und erfolgreiche Wirkung bei der Anwendung – Sie haben es in der Hand.

Ihr
Peter Kornfeind